Mittelmeertörn

Infos und Anmeldung für den zweiwöchigen Törn vom 9. bis 23. Oktober

(ca. 500 Seemeilen)

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Aufbruch trotz Mastbruch

Ein seemännischer Bericht mit technischen Details

 

Es war Sonntag der 18. Oktober. Gabriel und Alexander waren als Skipper mit ihren Crews in Tunesien und im Begriff, die Leinen loszuwerfen, um eine Bucht weiter östlich für die letzte Nacht vor der Rückfahrt nach Sardinien aufzusuchen. Windfinder gab Winde aus Sektor West mit 20 Knoten an. So war es auch. Sportliches Segeln mit Wellen von 2 bis 2,5 Metern Höhe war angesagt.

Wenn etwas passiert, dann geht es schnell. Nach guter Fahrt nahm der Wind ohne Warnung durch grösser werdende Wellen oder Bewölkung schlagartig zu und zeitgleich rollten Wellenberge bis 6 Meter an. Vor dem Reffmanöver und auf einem Wellenkamm, so hoch wie es Planado noch nie erlebt hat, geschah es. Der Mast brach knapp oberhalb der ersten Saling. Der lange obere Teil fiel übers Vorschiff ins Wasser, der untere Teil mit Mastbaum schlug im Lee seitwärts über Deck auf die Reling auf. Durch grosses Glück sass keiner auf der vorderen, leewärtigen Bank und so wurde niemand verletzt. Der Grossteil des Mastes war nun unter dem Schiff und es galt, nicht nur den Schock zu überwinden, sondern auch Crew und Schiff vor weiterem Schaden zu bewahren. Was folgte war eine von Adrenalin unterstützte Höchstleistung von Alexander. Mit Eisensäge und Taumesser wurde der an den Rumpf schlagende Mast innert einer knappen Stunde vom Schiff befreit. Tauwerk und Segel sind mit dem gekappten Mast teilweise verloren. Danach gelang es mit Motorunterstützung die sieben Meilen weit entfernte Bucht zu erreichen. 

Die Bedingungen waren zwar sehr hart für das Schiff, hätte doch der Mast aber dieser Belastung eigentlich stand halten sollen. So war es im ersten Moment nicht wirklich fassbar, wie das passieren konnte.

Später stellte sich heraus, dass der Mast nicht wegen einem Fehler bei der Konstruktion, Fäulnis oder wegen sonst was zerbarst, sondern weil das untere Backborddiamond in der Abpresshülse zerrissen ist. Für uns alle, vor allem natürlich aber auch für Alexander, ist dieser Umstand eine grosse Erleichterung.

Doch zurück zum Geschehen: Da die Tunesier keinen Anschein machten auf ein entmastetes Schiff Rücksicht zu nehmen und das Bleiben in Häfen wegen Überfüllung untersagten, sahen sich die zwei Crews gezwungen nach Sardinen zurück zu "treiben". Die günstigen Südwinde vor der heranziehenden Kaltfront konnten sie dazu ausnutzen. So gelang es ihnen, u.a. dank aufgestelltem Dingi als Notrigg und in wettertechnischer Zusammenarbeit mit dem OK-Team, den Ausgangshafen Cannigione zu erreichen und die Schiffe sicher zu vertäuen. 

Innert fünft Nächten haben die Skipper 10 Stunden geschlafen und Verantwortung getragen, die wohl tiefe Spuren hinterlassen hat. Auch wenn es nun schon einige Male an sie herangetragen wurde: die zwei, und mit ihnen die Crews, verdienen an dieser Stelle unsere Hochachtung und unseren herzlichsten Dank! Nur dank ihrem Einsatz haben wir überhaupt die Chance, dass das FOSsailing-Projekt weiter geführt werden kann.

 

Christian Müller

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